Der Bauernkrieg in Franken und die Ereignisse in Schillingsfürst

Franken war einer der Brennpunkte der Bauernerhebung. Die einzelnen örtlichen „Haufen“ der Bauern vereinigten sich zu einem Heer und zogen nach Würzburg. Dort lagerte im Frühjahr 1525 die „Versammelte Bauernschaft im Land zu Franken“ und belagerte die Marienfeste. Vom Steigerwald kommend, stand die Hauptmacht bei Heidingsfeld und Randersacker. Zu ihnen schlug sich die Odenwälder und Neckartaler „Haufen“ mit dem Lager bei Höchstadt und ein Karlstädter Aufgebot, das sich in den Klöstern Oberzell und Unterzell einquartierte. Zusammen mit dem Heidenfelder Haufen aus der Schweinfurter Gegend kamen so etwa 15000 Bauern zusammen. Sie belagerten den Frauenberg vier Wochen lang.  
Da es bei der Erstürmung nicht so recht vorwärts ging, hatten ihre Gegner genügend Zeit für Gegenmaßnahmen.
Der Markgraf Kasimir von Ansbach holte zum Gegenschlag aus und stellte in seinem Herrschaftsgebiet die alte Ordnung wieder her. Die örtlichen Anführer wurden als Hauptschuldige schwer bestraft, viele wurden dem Henker übergeben: 62 Kitzinger Bürgern stach man die Augen aus; 5 Männer aus Burgbernheim richtete er am 8. Juni hin; in Höchstadt lieser 2, in Neustadt an der Aisch 18 Bürger und Bauern köpfen.
KasimirKasimir
Am Abend des 28. Juni erschien sein Heer vor Rothenburg ob der Tauber. Es nahm die Stadt ohne Schwierigkeiten und am 30. Juni bzw. 1. Juli wurden auf dem Marktplatz 25 Männer geköpft. Darunter war der Prediger Dr. Johannes Teuschlein. Die Leichen der Enthaupteten stellte man auf dem Marktplatz aus, „andern zur Straf und Abscheu“. Noch heute erzählt man sich die Sage, dass das Blut der Geköpften wie ein Bach die Schmiedsgasse zum Plönlein hinabfloss. Der Rothenburger Stadtschreiber Thomas Zweifel berichtet darüber in seinem Bericht: ,,Der Bauern Aufruhr“.
Von ihm stammt auch die Schilderung der Einnahme von Schloß Schillingsfürst am 18. Mai 1525 durch einen Handstreich.
Das Schloss hatte nur eine schwache Besatzung. Der minderjährige Graf Wolfgang war abwesend und hatte das Schloß (oder besser, die Burg) einem Verwalter (Amtmann) sowie in den Händen seiner Schwester zurückgelassen, in der Annahme mit den Bauern sei alles geregelt. Diese Annahme sollte sich als falsch herausstellen.
Der Graf, Herr und Besitzer von Schillingsfürst und Weikersheim, stand unter Vormundschaft. Diese wurde von den Grafen Albrecht und Georg von Hohenlohe ausgeübt. Schon am 5. April 1525 hatten diese eine gütliche Übereinkunft mit den Bauern abgeschlossen. Am 11. des selben Monats hatten die Hauptleute und die ganze Versammlung des ,,hellen lichten Haufens“ die feierliche Versicherung getan, ,,gegen Ihre Gnaden in Argem oder Ungutem. mit tätlicher oder gewaltsamer Handlung gar nichts zu üben oder fürzunehmen, vielmehr sie zu schützen und zu schirmen“.
 
Die Unzufriedenen im Rat der Bauern zu Heidingsfeld beschlossen, sich nicht an die Abmachung zu halten, nachdem sie erfahren hatten, dass Schillingsfürst durch den Markgrafen Kasimir besetzt werden sollte.
Man beriet die Zerstörung der Burg und eine „Reqierierung“ der Vorräte die darin lagerten. Diese sollten nach Rothenburg in das Barfüßerkloster geschafft werden. Ein Hohenlohischer Untertan im Rat der Bauern namens „Wittich von Adolzhausen“, hatte zu diesem Vorgehen geraten. Er wurde ,,von solches seines gegebenen treuen Rates wegen“ zum Hauptmann erwählt. Ihm zur Seite stand ein weiterer Hohenloher, genannt „Lutz aus dem Hällischen“. Ihr Trupp zog nach Schillingsfürst und besetzte in einem Handstreich die Burg, nachdem die "Bauernkrieger" sich im Wirtshaus genügend Mut angetrunken hatte.
Da die Festung gegen Kasimir wahrscheinlich nicht zu halten gewesen wäre, zündeten die Bauern, nach der erfolgreichen Plünderung, am 21. Mai die Gebäude an. Die Burg wurde fast komplett zerstört.
Die Hauptleute "Endres Wittich von Ottelshausen (Adolzhausen)" und "Lutz Seybot (Seybold?) von Steinach aus der hällischen Landwehr" taten sich als Schloßbrenner besonders hervor. (Später, am 12. September, wurde Lutz in Hall (heute, "Dank" Napoleon, Schwäbisch Hall) enthauptet, Wittich von den eigenen Leuten erstochen. Er hatte noch 200 Goldgulden von der Beute bei sich.)
... die Burg brennt
An der Schloßplünderung waren die Bauern der Umgebung z.B. die Frankenheimer und Stilzendörfer - angeblich - nicht direkt beteiligt. Einige sollen sogar versucht haben, das Unheil zu verhindern und die Besatzung der Burg zu warnen: ,,Waren indes Bastian, der Wirt in Frankenheim, Hans Merklein, Diebach', Beckenhans zu Stülzendorf und Schäffjörg zu Frankenheim hinauf gen Schillingsfürst gangen, hätten hinein begehrt - und der Amtmann (Claus Hofmann) sie hinein gelassen, sie hätten dem Amtmann gezeigt, wie zwen vom Haufen der versammelten Bauern kommen wären, die danieden zu Frankenheim im Wirtshaus lägen!"  
Die Warnung wurde nicht ernst genommen und so verlor der Schillingsfürst zum zweiten Mal (nach der Zerstörung durch den Deutschen Kaiser im 13. Jahrhundert) seinen Herrensitz.
Da die Rothenburger Bürger, in alter Rivalität, fleißig beim Plündern geholfen hatten, konnte Graf Wolfgang später in einem Prozeß mit der Stadt Rothenburg Schadenersatz erreichen. Die "eifrigen Nachbarn" hatten mehr Schaden angerichtet, als die aufständischen Bauern.
Am 16. Juli 1539 wurden die Streitigkeiten durch einen Vergleich geregelt. Rothenburg zahlte 2200 Gulden für Getreide und andere weggebrachte Nahrungsmittel, Geschütze, Pulver und Zelte. Glocken und anderes Kriegsmaterial bzw. Inventar wurden an die Hohenlohe zurückgegeben.
 
Dieses, für den Bauernkrieg eigentlich unwichtige Ereignis brachte der örtlichen Bevölkerung Not und Unterdrückung, somit das Gegenteil des Erhofften. Diese Aussage läßt sich auf fast alle "Bauernkriege" der Geschichte verallgemeinern.  
Allein in Franken sind fast 300 Burgen und über 40 Klöster geplündert und zerstört worden.  
Bild von www.michael-giesecke.de
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